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Angst, dass etwas entdeckt wird

Mammografie-Screening: Zögerliche Nachfrage – Schleswig-Holstein will aufholen

Von Annemarie Heckmann, Kiel.

Es gibt Angebote, die sind kostenfrei und von hoher Qualität. Dennoch stockt die Nachfrage. Der Grund? Unsicherheiten, Angst, dass etwas entdeckt wird. Wissenslücken, Vorbehalte. Das soll sich ändern. Dafür sind Frauen gefragt. Sie sollen vom landesweiten Mammografie-Screening profitieren.

Brustkrebs ist das häufigste Frauenleiden. Mehr als jede Zehnte erkrankt daran, rund 650 Neuerkrankungen gibt es in Schleswig-Holstein pro Jahr, sagt Dr. Ingeborg Kreuz, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH). Je früher der Krebs erkannt wird, desto erfolgreicher und schonender ist die Therapie – und desto geringer ist die Zahl der Frauen, die durch diese Erkrankung sterben.

Um die Früherkennung zu verbessern, gibt es seit 2007 das Mammografie-Screening für Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren. Das ist eine digitale Röntgenuntersuchung der Brust, die nur wenige Minuten dauert und von mindestens zwei erfahrenen Fachärzten unabhängig voneinander ausgewertet wird.

Durchschnittlich gehen in Deutschland 53 Prozent der eingeladenen Frauen zum Screening. In Schleswig-Holstein sind es nur 46 Prozent. Seit 2007 wurden rund 666 000 Einladungen von der zentralen Mammografie- Stelle in Bad Segeberg verschickt. Doch nur in gut 285 000 Fällen (Erst- und Folgeuntersuchungen) wurde das Angebot angenommen. Besonders niedrig war die Rate in der K.E.R.N-Region. Hier ist die Bereitschaft, alle zwei Jahre zur Untersuchung zu gehen, bei 44 Prozent, das östliche Schleswig-Holstein liegt mit 48 Prozent vorn. Doch das ist noch immer deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, wie Dieter Paffrath, Vorstand der AOK NordWest und Vorsitzender des landesweiten Netzwerks „Betrifft Brust“, mit Sorge feststellt.

Warum Frauen die – für Kassen- und die meisten Privatpatienten – kostenlose Untersuchung mehrheitlich nicht nutzen, ist unterschiedlich. Das Netzwerk hat die angeschriebenen Frauen befragt: Die Angst spielt dabei sicher eine Rolle – Angst, an Krebs erkrankt zu sein, Angst vor Schmerzen. Aber auch die Skepsis gegenüber der Röntgenstrahlung, obwohl durch die digitale Technik die Belastung gering ist.

Das Screening gilt bislang als die beste Methode, Brustkrebs frühzeitig zu erkennen und damit die Heilungschancen zu erhöhen. Denn das Programm kann auch jene Tumore aufzeigen, die sich nicht ertasten lassen, betont Dr. Thomas Lange, programmverantwortlicher Arzt des Screenings in der K.E.R.N-Region.

So eine Untersuchung geht schnell und tut nicht weh, ist die Erfahrung von Wiebke Muth. Sie nutzte das Screening in Kiel. Und erfuhr von einem Tumor, der – weil früh erkannt – brusterhaltend operiert werden konnte. Die Früherkennung ist für sie eine Chance für Gesundheit und Lebensqualität, die möglichst viele Frauen nutzen sollten.

Infos bei der Zentralen Screeningstelle in Bad Segeberg, Tel. 04551/89 89 00, www.mammascreening-sh.de oder www.betrifft-brust.de. (Quelle: Kieler Nachrichten, 16.06.2011)